Wieviel Social Media braucht der Mensch?

Wieviel Social Media braucht der Mensch?
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Seit Jahren ist die Social Media-Nutzung in Deutschland rückläufig. Aussterben wird diese Art der Kommunikation sicherlich nicht, aber der Hype ist derzeit vorbei.

Kennen Sie das? Sie loggen sich bei Facebook ein und Ihnen wird ein automatisch generierter Beitrag angezeigt, den Sie auf Knopfdruck posten können. „Feiere Deine einjährige Freundschaft mit xy“ oder „Heute vor sieben Jahren hast Du dieses und jenes gemacht“. Ich persönlich blicke gerne mal zurück, aber täglich ist mir das zu viel. Denn ich lebe im Heute und nicht im Gestern.

Dinge wie diese untermauern die Statistiken, die seit einigen Jahren zeigen, dass es bei der (aktiven) Social Media-Nutzung in Deutschland einen Rückgang gibt. Offenbar sind manche Netzwerke mit Mitteln wie diesen darum bemüht, die eigenen Nutzer wieder zu mehr Aktivität zu motivieren. Das ist auch nötig, denn sie finanzieren sich über Werbeeinnahmen – auch sind soziale Netzwerke für Unternehmen sehr interessant.

Das mag auf der einen Seite Sinn machen. Allerdings frage ich mich, ob das langfristig der richtige Weg ist.

Damals bei Muddi am Küchentisch...

Daneben sehe ich immer wieder, wie Nutzer Bilder mit Dingen von früher posten und teilen. Unter dem Motto „damals in den 70er/80er-Jahren“ und „wer kennt das noch?“ erscheinen Bilder von alten Haushaltsgeräten, Videorekordern und ähnlichem im Newsfeed, fotografiert vor einer derart antiquierten Tapete, dass sich selbst meine Großmutter im Grabe umdrehen würde. Offensichtlich soll die Optik an die Zeit des Wirtschaftswunders erinnern. In diesem Fall könnte daraus tatsächlich ein zweites Wirtschaftswunder entstehen – angetrieben durch den Verkauf großer Mengen an neuen und moderneren Tapeten. Und wer postet „Damals bei Muddi am Küchentisch hatten wir dieses Radio“ meint wahrscheinlich in Wirklichkeit „Damals bei Ur-Ur-Großmuddi“…

Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Was viel schlimmer ist, und das sieht man leider immer wieder, ist wenn Nutzer Halbwahrheiten oder falsche Informationen verbreiten. Oft geschieht das unwissentlich und der Nutzer oder die Nutzerin ist sich selbst nicht im Klaren darüber. In diesem Fall hilft es, mit einem Augenzwinkern die korrekte Antwort darunter zu schreiben. Nicht selten hat das zur Folge, dass der Nutzer oder die Nutzerin den Beitrag komplett löscht. Fühlt er/sie sich erwischt…?

„Sie sind beliebt!“

Von einem anderen sozialen Netzwerk erhält man von Zeit zu Zeit Nachrichten wie „Sie sind beliebt!“ und wird darauf hingewiesen, dass das eigene Profil 3x aufgerufen wurde. Das stimmt auch, es wurde 3x aufgerufen – in den letzten zehn Jahren. Muss ich mir jetzt Sorgen machen, dass ich „abgesagt“ bin? Nein, denn soziale Netzwerke spiegeln nicht das wahre Leben wider.

Was einen im Privaten aufhält, gilt auch für die Berufswelt. „Träumen Sie noch oder machen Sie schon SEO?“ lautete die Betreffzeile eines Jobangebots, welches ich über ein berufliches Netzwerk erhielt. Eines von mehreren wöchentlich. Natürlich träume ich anstatt zu arbeiten, das mache ich schon seit Jahren. Ein schlechter Slogan, der als netter Versuch untergeht. Aus zeitlichen Gründen muss ich solche Anfragen ignorieren. Doch das kommt wie ein Bumerang zurück. „Sie haben Frau xy noch nicht geantwortet“, lautet ein paar Tage später die automatisch generierte Nachricht in meinem Postfach. Ein paar Tage später wiederholt sich die Prozedur.

Zu viel ist zu viel

Was man nie vergessen darf: Soziale Netzwerke leben von der Interaktion ihrer Nutzer. Wenn diese interessante Neuigkeiten oder zum Nachdenken anregende Dinge posten und teilen, entsteht ein Mehrwert. Wenn jedoch keine wirkliche Interaktion mehr stattfindet und nur noch der Glanz vergangener Tage immer wieder neu aufgewärmt wird, ist es nicht verwunderlich, dass das Interesse an diesen Plattformen nachlässt. Ebenso verhält es sich mit nicht gewollten Nachrichten, zwischen denen relevante Nachrichten potentiell übersehen werden können.

Niemand benötigt einen Overload an nicht relevanten Informationen. In einem gewissen Rahmen kann man als Nutzer allerdings selbst steuern, welche Art von Inhalten einem präsentiert werden. Facebook beispielsweise bietet hier gute Möglichkeiten und so kann man als Nutzer uninteressante oder ungewollte Beiträge entsprechend markieren. Auch werden rechtlich fragwürdige Nutzerbeiträge inzwischen häufiger gelöscht, wenn man sie meldet. In Deutschland muss das jetzt auch passieren, da seit dem 01. Januar 2018 das sog. Netzwerkdurchsetzungsgesetz („Gesetz zur Verbesserung der Rechtsdurchsetzung in sozialen Netzwerken“) gilt. Das sind begrüßenswerte Schritte, die in die richtige Richtung gehen.

Jetzt hat Mark Zuckerberg, Gründer von Facebook, außerdem angekündigt, dass zukünftig weniger Werbung und stattdessen wieder mehr Beiträge von den eigenen Freunden angezeigt werden sollen. In der Geschäftswelt wird diese Änderung zurzeit heiß diskutiert und viele Unternehmer und Werbetreibende fragen sich, ob Facebook zukünftig noch eine attraktive Plattform für Werbung sein wird. Diese beschert Facebook jedoch Einnahmen, deshalb kann davon ausgegangen werden, dass die Attraktivität für Werbetreibende nicht nachlassen wird. Immerhin bieten soziale Netzwerke die Möglichkeit eine Zielgruppe feingranular auszuwählen und somit die üblichen Streuverluste zu minimieren, was für Werbetreibende einen enormen Vorteil im Vergleich zu klassischen Werbeplattformen darstellt.


Jochen Moschko

Damit auch Ihre Facebook-Kampagnen zu einem vollen Erfolg werden, stehen wir Ihnen gerne beratend zur Seite!

 
Jochen Moschko
SEO-Manager Exklusiv
Jochen Moschko arbeitet als SEO-Manager in der Exklusiv-Abteilung bei der FAIRRANK GmbH.