Wie ermittele ich den Google-Algorithmus?

Wie ermittele ich den Google-Algorithmus?
© pakpong pongatichat / Fotolia.com

Der Google-Algorithmus wird wahrscheinlich so gut gehütet, wie das Rezept von Coca-Cola. Und es gibt mit Sicherheit nicht nur einen Algorithmus, sondern viele kleine Formeln und Faktoren, welche die Platzierungen von Seiten beeinflussen. Doch wie könnte man eine Formel ableiten, die man für die eigenen SEO-Maßnahmen nutzen könnte? Ein Gedankenexperiment.

„Sie kennen sich doch mit Suchmaschinenoptimierung aus! Und Sie wollen mir weismachen, dass Sie den Google-Algorithmus nicht kennen? Jetzt aber plötzlich!“ – diese Sätze entstammen einem echten Telefonat, das ich am Rande mitbekommen habe. Es zeigt den weit verbreiteten Irrtum auf, dass Personen, die sich mit Suchmaschinenoptimierung beschäftigen, mit dem Google Algorithmus vertraut wären. Ebenso wie wenn man Leute kennt, die für Google arbeiten und dass ein Anruf genügen würde, um Rankings beeinflussen zu können.

Wenn das der Fall wäre, würde es keine SEO-Fachkonferenzen mehr geben, deren Besuch nicht selten vierstellige Summen kostet. Dann müssten sich Suchmaschinenoptimierer nicht mehr untereinander austauschen und jede Diskussion wäre von vornherein hinfällig.

Die Frage nach der Beschaffenheit des Google-Algorithmus treibt Suchmaschinenoptimierer und Webseitenbetreiber gleichermaßen um. Gibt es überhaupt einen Algorithmus? Eher nicht, denn bekanntlich existieren zahlreiche unterschiedlichste Faktoren, welche die Platzierungen aller Webseiten in den Suchergebnissen beeinflussen. Somit dürfte es sich um eine Vielzahl an Algorithmen und Formeln handeln, welche die Platzierungen aller Seiten in den Suchergebnissen mitbestimmen.

Stellen Sie sich vor…

Mit einem guten Know-How hat man gegenüber seinen Konkurrenten Vorteile. Stellen Sie sich vor, Sie würden tatsächlich den Google-Algorithmus kennen. Dann könnten Sie Ihre eigene Website mit vielen Suchbegriffen auf Platz 1 positionieren und würden an Ihren Mitbewerbern vorbeiziehen. Sie erhielten mehr Traffic und Ihre Verkaufszahlen würden stark ansteigen.

Nachfolgend starte ich ein Gedankenexperiment, welches man durchführen könnte, um den Google-Algorithmus nachzumodellieren. Mein Rat: Versuchen Sie nicht, es in die Tat umzusetzen. Es kostet Sie nur unnötig Lebenszeit.

Eine mögliche Herangehensweise wäre folgende:

  1. Ermitteln Sie, wie viele URLs weltweit im Google-Index zu finden sind. Es dürfte sich um viele Milliarden URLs handeln. Im Jahr 2008 sollen sich rund 1 Billionen Seiten im Google-Index befunden haben.
     
  2. Nachdem Sie all diese URLs ermittelt haben, benötigen Sie ein möglichst umfassendes Set an weltweit genutzten Suchbegriffen. Sie sollten quasi jede mögliche Suchanfrage weltweit berücksichtigen, angefangen von „Friseur Köln“ über „Gelenkschmerzen was tun?“ oder „Promi XY 2017“ bis hin zu „Sushi-Bar Tokio“ – letzteres selbstverständlich auf Japanisch formuliert. Also fangen Sie an zu recherchieren.
     
  3. Als dritten Punkt benötigen Sie „nur“ noch ein künstliches neuronales Netz, beispielsweise in Form von Software und sehr leistungsfähige Hardware. Dieses Netz müssen Sie mit Daten füttern, und zwar müssen Sie ihm beibringen, welche der o. g. URLs unter welchen Suchbegriffen von welchem Standort aus auf welcher Position in den Suchergebnissen erscheint. Auch muss das Netz die Inhalte und den Aufbau der jeweiligen Seite berücksichtigen, da sich diese ebenfalls auf das Ranking auswirken. Damit könnten Sie, nach einer langwierigen Berechnung, die das Ranking betreffenden Formeln und Algorithmen ermitteln.


Um die Anzahl der notwendigen Rechenschritte zu ermitteln, gehen wir der Einfachheit halber von 1 Billion Seiten im Index und einem Keywordset von 500.000 Begriffen aus, das in jeweils 50 Sprachen vorliegt:


1.000.000.000.000 ^ (500.000 * 50)
 

Haben Sie einen Gaming-PC mit 16 Prozessorkernen? Ich fürchte, dass er nicht ausreichen wird. Haben Sie fünfzig solche PCs und können diese miteinander vernetzen? Auch diese Rechenleistung wird nicht ausreichen. Sie könnten bei einer Universität Ihres Vertrauens anfragen, ob Sie für eine Weile, falls vorhanden, deren Supercomputer nutzen dürfen, aber andere Berechnungen werden für diesen vermutlich Vorrang haben. Falls er nicht sogar für Jahre im Voraus belegt ist.

Zu der vorstehend genannten, extrem vereinfachten Formel kommt noch der Umstand, dass von ihr noch gar nicht der Standort des Nutzers, geschweige denn die Inhalte und der Aufbau der Seiten berücksichtigt werden, denn diese Faktoren beeinflussen ebenfalls das Ranking.

Wenn das Ergebnis da ist...

Aber stellen Sie sich vor, Ihr neuronales Netz hätte aus diesen Daten tatsächlich eine Formel errechnet. Sie sind voller Begeisterung und denken, dass Sie den heiligen Gral in der Hand halten – falsch. Denn bei Google werden für die Bewertung von Webseiten nicht nur Algorithmen eingesetzt, sondern auch Menschen. Es handelt sich um sogenannte „Quality Rater“, welche Webseiten händisch bewerten und damit regelmäßig für die Anpassung der Algorithmen sorgen.

Wenn Ihr neuronales Netz die Formel also nach langwierigen Berechnungen für Sie ermittelt hat und Sie dann noch leben sollten, ist sie auch schon wieder veraltet. Natürlich könnte man argumentieren, dass die grobe Richtung weiterhin stimmen mag, aber lohnt sich allein für eine grobe Richtung dieser extrem hohe Aufwand? Wohl eher nicht.

Denn die grobe Richtung und noch viel mehr lässt sich auch durch das ermitteln, was ein Suchmaschinenoptimierer täglich macht: Er wendet sein bisheriges Wissen an, er sammelt neue Erfahrungen, er teilt seine Erfahrungen mit anderen SEOs und wirft einen Blick in die Google-Richtlinien für Webmaster. Denn wer sich an letztere nicht hält, betreibt „Black-Hat-SEO“ und dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis die zu optimierende Website aus dem Google-Index entfernt wird.

Wer als Unternehmer Suchmaschinenoptimierung betreiben möchte, ist mit einem erfahrenen SEO-Dienstleister gut beraten.


Jochen Moschko

 
Jochen Moschko
SEO-Manager Exklusiv-Abteilung
Jochen Moschko arbeitet als SEO-Manager in der Exklusiv-Abteilung bei der FAIRRANK GmbH.