Eine Frage eintippen, zehn blaue Links durchforsten und verschiedene Websites öffnen: Dieses zeitintensive Muster der Netzsuche verändert sich spürbar. Durch die KI-Suche mit Systemen wie ChatGPT, Perplexity, Gemini, Copilot und integrierten KI‑Funktionen in Suchmaschinen entstehen völlig neue Möglichkeiten der Informationssuche.
Dabei ersetzt die KI-Suche klassische Suchmaschinen bislang nicht. Vielmehr erweitert sie die Customer Journey um einen weiteren Zugang. Aktuelle Daten aus Deutschland zeigen bereits deutlich, wie relevant KI in Suchmaschinen geworden ist: Laut einer Studie von YouGov zur Online-Suche 2026 haben 39 Prozent der deutschen Online-Nutzer innerhalb von 30 Tagen KI-Assistenten zur Informationssuche eingesetzt. Klassische Suchmaschinen wie Google kommen weiterhin auf 79 Prozent. Für Unternehmen entsteht damit eine entscheidende Frage: Wie bleibt eine Marke sichtbar, wenn Menschen nicht mehr ausschließlich Suchmaschinen nutzen?
KI-Suchverhalten in 2026
Was macht die Suche mit KI aus? Der grundlegende Unterschied beginnt bereits bei der Eingabe. Eine klassische Suchanfrage besteht häufig aus wenigen Begriffen, z. B.: „SEA Agentur Köln“.
In einer modernen KI-Suche kann daraus eine wesentlich konkretere Anfrage werden:
„Welche SEA-Agentur in Köln eignet sich für ein mittelständisches B2B-Unternehmen und worauf sollte ich bei der Auswahl achten?“
Der Prompt enthält Kontext, Ziel und möglicherweise bereits Entscheidungskriterien. Hinzu kommt: Die Recherche endet nicht zwingend nach einer Antwort. Nutzer können, wenn sie KI statt Google verwenden, eine Folgefrage stellen, Anforderungen präzisieren oder Anbieter vergleichen – aus einer einzelnen Suchanfrage entsteht ein interaktiver Dialog und eine fortlaufende Konversation. Wie tief das KI-gestützte Suchverhalten reicht, hängt dabei stark vom jeweiligen Anwendungsfall ab.
Auch die Nutzungsmotive unterscheiden sich. Laut YouGov verwenden bestehende Nutzer entsprechende Assistenten unter anderem für:
- direkte Antworten auf Fragen (64 Prozent),
- Zusammenfassungen von Web-Inhalten (37 Prozent),
- die Überprüfung von Informationen (32 Prozent) und
- den Vergleich verschiedener Optionen (26 Prozent).
Suche mit KI vs. Suche mit Suchmaschinen
Die Grenzen zwischen den Systemen werden gleichzeitig unschärfer. Wer heute eine Suche mit der KI durchführt, bemerkt, wie Suchmaschinen-Giganten aufrüsten: Google integriert mit AI Overviews und dem neuartigen AI Mode generative Antworten direkt in die Trefferlisten. Auf der anderen Seite gewinnen Plattformen an Marktanteil, indem sie Webinhalte durchsuchen.
| Merkmal | KI-Suche | Klassische Suche |
|---|---|---|
| Eingabe | Prompt, Frage oder Dialog | meist Suchbegriff oder Suchphrase |
| Ergebnis | generierte Antwort | Suchergebnisliste |
| Interaktion | Folgefragen möglich | meist neue Suchanfrage |
| Kontext | kann Gesprächsverlauf berücksichtigen | primär aktuelle Suchanfrage |
| Quellen | können Bestandteil der Antwort sein | Websites stehen im Mittelpunkt |
| Nutzerweg | Antwort → Folgefrage → Quelle | Suchergebnis → Website |
Für Marketing-Experten bedeutet das nicht, SEO abzuschreiben. Im Gegenteil: Klassische Suchmaschinen bleiben trotz AI Search hochrelevant. Unternehmen müssen sich jedoch nun zusätzlich darüber Gedanken machen, wie ihre Inhalte von KI-Systemen gefunden, verstanden und als Quelle berücksichtigt werden können – inklusive eines passenden Verweises auf das Angebot. Genau hier setzt KI-SEO (oder auch GEO) an.
KI-Suchmaschinen
Auch bezüglich moderner KI-Suchmaschinen ist die Prognose von Experten eindeutig: Das Phänomen verändert nachhaltig den Markt. YouGov befragte zwischen April und Mai 2026 insgesamt 1.005 Personen in Deutschland. 31 Prozent der deutschen Online-Nutzer starten demnach mindestens täglich eine neue Anfrage über einen KI-Assistenten. Bei der Generation Z liegt dieser Anteil bei 56 Prozent, bei Millennials bei 42 Prozent.
Unter den aktuellen Nutzern geben außerdem 63 Prozent an, häufiger KI, statt Google einzusetzen als noch im Vorjahr – eine Gewohnheit, die sich verfestigt. Gleichzeitig zeigen die Daten klar, warum von dem „Ende von Google“ keine Rede sein kann: Während 72 Prozent der Befragten Informationen klassischer Suchmaschinen vertrauen, liegt der entsprechende Wert bei AI Search bei 36 Prozent.
Auch die repräsentative KI- & Search-Studie 2025 von Media Perspektiven zeigt die zunehmende Bedeutung KI-generierter Informationen. Für die Untersuchung wurden 1.200 Internetnutzer zwischen 16 und 69 Jahren in Deutschland befragt. Die Ergebnisse zeigen zugleich deutliche Unterschiede zwischen den Altersgruppen und unterstreichen, dass KI-generierte Antworten zunehmend Bestandteil der Informationssuche werden.
Suche über ChatGPT
Besonders die Suche über ChatGPT prägt diese Wende. Ist diese Form der Informationsrecherche bereits ein vollständiger Ersatz für klassische Portale? Die derzeitigen Nutzerzahlen und Daten sprechen eher für ein Nebeneinander als für eine vollständige Ablösung.
Besonders aufschlussreich ist, was nach einer ChatGPT-Suche passiert. In der aktuellen YouGov-Auswertung geben 23 Prozent der Befragten an, anschließend auf Quellen oder Links zu klicken. 20 Prozent überprüfen die Antwort zusätzlich über andere Anwendungen oder Informationsquellen. 21 Prozent beenden ihre Recherche dagegen direkt mit der KI-Antwort.
Das KI-Suchverhalten in 2026 kann damit beispielsweise so aussehen:
Prompt → KI-Antwort → Folgefrage → Quellenprüfung → Website → Entscheidung
Oder sie endet bereits bei der generierten Antwort. Für Website-Betreiber entsteht dadurch ein Spannungsfeld: Sichtbarkeit kann vorhanden sein, ohne dass zwangsläufig ein Klick entsteht, der zu neuem Traffic oder einer höheren Klickrate führt. Auch ein direkter Referral bleibt in vielen Fällen aus. Dieses Zero-Click-Verhalten ist zwar nicht grundsätzlich neu, kann durch generative Antworten aber eine zusätzliche Dimension erhalten.
Das neue Suchverhalten im Jahr 2026
Das beobachtbare Suchverhalten im Jahr 2026 zeigt klar: Neben dem klassischen Browsen gewinnen adaptive Systeme stetig an Relevanz. Auch andere Suchformen verändern die Eingabe. Insbesondere natürliche Sprache gewinnt an Bedeutung – vor allem mobil über die gesprochene Sprachsuche, ein Thema, das bereits aus der Voice Search SEO bekannt ist.
Aus dieser Entwicklung ergeben sich klare Konsequenzen für Unternehmen: Wer klassische SEO und KI-Sichtbarkeit als Gegensätze behandelt, verpasst Potenziale. Wer ausschließlich für traditionelle Rankings optimiert, betrachtet möglicherweise nur noch einen Teil der Informationsreise.
Für Content bedeutet das vor allem:
- Fragen der Zielgruppe konkret und verständlich beantworten
- Aussagen mit nachvollziehbaren Fakten und seriösen Quellen belegen
- Themen semantisch umfassend statt ausschließlich anhand einzelner Keywords behandeln
- Inhalte klar strukturieren und Zusammenhänge verständlich erklären
- eigene Expertise, Daten und Erfahrungen sichtbar machen
- Inhalte regelmäßig auf Aktualität und sachliche Richtigkeit prüfen
Das Ziel verschiebt sich damit ein Stück weit: Neben einem guten Ranking wird relevant, als vertrauenswürdige Quelle wahrgenommen und gegebenenfalls in der KI-Suche berücksichtigt zu werden.
KI-Suche erweitert die Customer Journey
Die Daten zeigen zwei Entwicklungen gleichzeitig: Die KI-Suche wächst deutlich, klassische Suchmaschinen bleiben aber zentral. Für Unternehmen ist deshalb weniger die Frage entscheidend, ob ChatGPT Google ersetzt. Wichtiger ist, an welchen Stellen der zunehmend fragmentierten Customer Journey die eigene Marke sichtbar ist und wie sich das Suchverhalten im Jahr 2026 verändert hat und weiter verändern wird.
SEO bleibt dafür eine wesentliche Grundlage. Hinzu kommt die Aufgabe, Inhalte so aufzubereiten, dass sie auch innerhalb KI-gestützter Informations- und Entscheidungsprozesse relevant, verständlich und vertrauenswürdig sind.
FAQ zum Thema KI-Suche
Statt ausschließlich kurzer Suchbegriffe können Nutzer bei der AI Search vollständige Fragen und komplexere Prompts formulieren. Durch Folgefragen entsteht eine dialogbasierte Informationssuche, bei der der vorherige Kontext berücksichtigt werden kann.
Innovative KI-Suchmaschinen entwickeln sich zu einem ergänzenden Recherchekanal. Laut YouGov verwendeten 39 Prozent der deutschen Online-Nutzer innerhalb der untersuchten 30 Tage KI-Assistenten zur Informationssuche. Klassische Suchmaschinen lagen mit 79 Prozent weiterhin deutlich vorn.
Die Daten zu einer direkten ChatGPT-Suche sprechen derzeit eher für eine Ergänzung. Die Nutzung moderner AI-Search-Anwendungen zeigt, dass Nutzer Systeme flexibel kombinieren.
Das allgemeine Suchverhalten für 2026 zeigt deutlich: Statt starrer Keywords dominiert eine konversationelle Suche mit KI-Unterstützung. Nutzer formulieren Anforderungen direkt und stellen bei Bedarf Folgefragen. Das individuelle KI-Suchverhalten richtet sich dabei nach der Komplexität des Themas.
Verwendete Studien und weiterführende Quellen
YouGov (2026): KI-Assistenten etablieren sich als zweithäufigste Informationsquelle in Deutschland
YouGov (2026): Neue Studie zur Web-Suche in Deutschland
Media Perspektiven / BR (2025/2026): KI & Search-Studie 2025