Kopierschutz für JPEG-Dateien geplant

JPEG
© Kheng Guan Toh – Fotolia.com

Presseberichten zufolge plant das JPEG-Komitee die Einführung eines optionalen Kopierschutzes für Bilddateien des weitverbreiteten Formats. Der Ersteller eines Bildes könnte damit bestimmen, für welche Zwecke es verwendet werden darf.

Warum ein Kopierschutz?

Der JPEG-Standard wurde 1992 eingeführt und seitdem immer wieder weiterentwickelt. Die Kompression arbeitet verlustbehaftet. Dies bedeutet, dass Einbußen an der Bildqualität, die für das menschliche Auge jedoch kaum wahrnehmbar sind, für eine geringere Dateigröße in Kauf genommen werden. Seitdem hat sich JPEG, auch dank des aufkommenden World Wide Webs und den zu Beginn sehr geringen Bandbreiten, zu einem weit verbreiteten und äußerst beliebten Dateiformat entwickelt.

Ein wesentlicher Grund für den Vorstoß liegt in der Stärkung von Persönlichkeitsrechten. Bilder, die von Nutzern in soziale Netzwerke hochgeladen werden (beispielsweise bei Facebook oder Instagram), sind nicht immer für die breite Öffentlichkeit bestimmt, sondern häufig nur für den eigenen Freundeskreis. Zwar erlauben die Privatsphäre-Funktionen das Teilen von Inhalten nur mit bestimmten Personen, allerdings ist es ohne Aufwand möglich, Bilder aus sozialen Netzwerken zu kopieren und selbst weiterzuverbreiten. Genau hier soll der geplante Kopierschutz ansetzen.

Daneben dürften aber auch gewerbliche Nutzer, wie Fotografen oder Filmstudios davon profitieren, die ihre Bilder künftig noch wirkungsvoller vor unerlaubter Weiterverbreitung schützen können. Die unerlaubte Nutzung fremder Bilder ist zurzeit ein häufiger Grund für kostenintensive Abmahnungen, die so bereits im Vorfeld vermieden werden könnten.

Fazit

Der Ansatz ist durchaus lobenswert, insbesondere wenn es darum geht, Privatnutzer vor dem Missbrauch ihrer persönlichen Bilder im World Wide Web zu schützen. Allerdings stellt sich die Frage, wie wirkungsvoll der geplante Kopierschutz in der Praxis sein wird – kann er auch verhindern, dass ein Bild durch die Erstellung eines Screenshots kopiert werden kann? Sicherlich werden kurze Zeit später Programme erscheinen, die den Kopierschutz direkt an der Bilddatei aushebeln können.

Um es kurz zu fassen: Der Kopierschutz wird seinen Zweck sicherlich erfüllen, wenn es um die unerlaubte Verbreitung von Bildern im Online-Alltag geht. Wer ein geschütztes Bild jedoch unbedingt vervielfältigen möchte, dürfte sein Ziel auf Umwegen erreichen.

Hier finden Sie den Originalartikel des JPEG-Komitees:
http://www.jpeg.org/items/20150910_privacy_security_summary.html


Jochen Moschko

 
Jochen Moschko
SEO & QS-Manager
Jochen Moschko arbeitet in den Bereichen Suchmaschinenoptimierung und Qualitätssicherung bei der FAIRRANK GmbH.