Wie erkenne ich unseriöse Angebote im Internet?

Wie erkenne ich unseriöse Angebote im Internet?
© Artur Marciniec – Fotolia.com

Das Internet ist der größte Marktplatz der Welt. Hier treffen sich Angebot und Nachfrage. Doch ist nicht alles Gold, was glänzt. In diesem Beitrag erfahren Sie, woran Sie unseriöse Angebote erkennen können und worauf Sie achten sollten!

In den vergangenen Wochen ging der Skandal um das Seitensprung-Portal „Ashley Madison“ durch die Presse. Nicht nur unangenehm für die Mitglieder, deren Daten von Hackern entwendet und veröffentlicht wurden, so wurde auch bekannt, dass 95 % der weiblichen Profile offenbar erfunden waren. Von 5,5 Mio. weiblichen Profilen sollen lediglich 12.000 echt gewesen sein.

Auf der einen Seite natürlich eine gute Nachricht, so kann man unterstellen, dass für die Menschheit doch noch Hoffnung besteht. Auf der anderen Seite haben männliche Mitglieder für ihr Geld offenbar nicht die erhoffte Leistung erhalten. Nach deutschem Recht könnten Mitglieder hier zumindest einen Teil des Mitgliedsbeitrags zurückverlangen.

Große Skandale, wie dieser bilden jedoch eher die Ausnahme. Im Internet findet sich eine viel größere Zahl an kleineren und unspektakuläreren Angeboten, deren Seriosität man anzweifeln darf. Sie ziehen sich durch alle erdenklichen Branchen, angefangen bei gefälschten Medikamenten, über Kreditangebote bis hin zu „Suchmaschinenoptimierern“, die Webseitenbetreibern eine Platzierung auf der ersten Seite in den Suchergebnissen versprechen, was ein seriöser Anbieter niemals tun würde.

Wie erkennt man unseriöse Angebote?

Regel Nr. 1: Ignorieren Sie Spam-Mails und löschen Sie diese am besten sofort. In Deutschland wird die Einwilligung des Empfängers benötigt, um diesem automatisierte Mails mit werblichem Inhalt zusenden zu dürfen. Hat man dem Absender diese Erlaubnis nicht erteilt und erhält dennoch solche Nachrichten, sollten die Alarmglocken klingeln. Insbesondere floriert der Handel mit gefälschten Medikamenten, die als echt ausgegeben werden. In China werden sie nicht selten mit Betonmischern und unter sehr unhygienischen Bedingungen hergestellt. Außer ihrem Aussehen haben die Fälschungen mit dem Original oft nicht viel gemeinsam.

Regel Nr. 2: Sie haben im Internet eine Website gefunden, die Sie interessiert. Ein tolles Investmentangebot, um in kurzer Zeit das eigene Geld zu vermehren. Seitenlange Texte sollen Sie davon überzeugen, „nur“ 5.000 EUR zu investieren – und der Rest kommt von alleine. Garantiert! Wer´s glaubt, wird selig. Prüfen Sie mit einer WHOIS-Abfrage, wer der Webseitenbetreiber ist (bei .de-Domains  geht dies über www.denic.de, bei anderen z. B. über whois.domaintools.com) und vergleichen Sie diese Daten mit dem Impressum der Seite. Letzteres fehlt? Spätestens jetzt sollten auch hier die Alarmglocken klingeln. Informieren Sie sich im Internet über das Angebot, informieren Sie sich darüber, was andere Nutzer dazu schreiben.

Regel Nr. 3:  Prüfen Sie, ob das Angebot plausibel ist. „Wir bringen Ihre Website in Suchmaschine XY auf Platz 1!“ – das klingt gut! Nur sieht die Realität anders aus. Finden sich unter den gewünschten Begriffen Websites wie Wikipedia oder ein Großhändler an erster Stelle, wird es ohnehin schwer, den ersten Platz zu ergattern. Abgesehen davon ist eine gute Platzierung allein noch längst keinen Garant für einen Erfolg. Auch Platzierungen unterhalb des ersten Platzes sind lohnenswert, da es in erster Linie auf die Sichtbarkeit einer Website ankommt. Letztere ergibt nicht zuletzt aus einer guten Keywordauswahl. Denn wem nützt eine Top-Platzierung mit einem Begriff, nach dem niemand sucht? Ein seriöser Anbieter ist daran interessiert, in Zusammenarbeit mit seinem Kunden für diesen den größtmöglichen Nutzen zu erzielen, und dies über einen langen Zeitraum hinweg.

Regel Nr. 4: Seien Sie wählerisch. Besuchen Sie nicht jede Website. Und halten Sie den Virenschutz Ihres PCs aktuell. Nicht selten sind Seiten mit Schadsoftware präpariert, die sich in Ihrem System einnistet, und bspw. Ihre Tastatureingaben mitschneidet. Passwörter, persönliche Daten, Liebesnachrichten – und schon werden diese Daten von Dritten genutzt und im Extremfall sind Sie erpressbar.

Regel Nr. 5: Haben Sie ein gesundes Misstrauen. Würden Sie in der realen Welt jedes Ladenlokal betreten? Würden Sie in der realen Welt mit jedem Geschäfte machen, der Ihnen das Blaue vom Himmel verspricht? Wohl kaum!

Grundsätzlich gilt: Denken Sie immer daran, dass die gewünschte Leistung auch von irgendwoher kommen muss. „Investieren Sie einmalig 5.000 EUR und erhalten Sie den dreifachen Betrag zurück!“ – ach wirklich, woher kommt das Geld denn? Ihr Enkel ruft an und benötigt 10.000 EUR, da er in Schwierigkeiten steckt. „Mein Enkel klingt aber seltsam, wahrscheinlich ist er erkältet“. Sind Sie sicher? Wahrscheinlich wurden Sie gar nicht von Ihrem Enkel, sondern von einem Betrüger kontaktiert. Gehen Sie sicher und kontaktieren Sie Ihren richtigen Enkel unter der Ihnen bekannten Telefonnummer. Er wird nicht nur aus allen Wolken fallen, sondern Sie haben sich gerade auch vor einem finanziellen Verlust geschützt.

Ihre Bank fragt Sie nach der PIN-Nummer Ihres Online-Banking-Zugangs? Sie haben aber eine seltsame Bank! Der Absender wird eher ein Krimineller sein, der Ihr Konto plündern möchte. Ein interessanter „Nebenjob“ mit monatlich 3.000 EUR Verdienst lockt? Das klingt interessant, führt jedoch nicht selten in eine strafrechtliche Falle, wenn Ihr „Arbeitgeber“ die Konten argloser Dritter plündert (die auf seine E-Mail hereingefallen sind, in welcher er die Identität der Bank gefälscht hat) und das Geld auf Ihr Konto überweist, von dem Sie ihm dann seine „Provision“ zukommen lassen. Während er es sich in der Südsee gutgehen lässt, werden Sie die Hunde beißen. Auch haben die Geschädigten möglicherweise zivilrechtliche Ansprüche gegen Sie. Ein neues iPhone ohne Vertrag für nur 20 EUR lockt? Das klingt irgendwie nach Hehlerware. Selbst wenn Sie arglos darauf hereingefallen sind, wird das Gerät i. d. R. eingezogen.

Auch im Internet gilt das Gesetz der Schwerkraft

Bedenken Sie, dass das Internet kein Allheilmittel ist. Auch hier gilt das Gesetz der Schwerkraft. Was in der realen Welt unseriös ist, wird es im Internet allemal sein. Seien Sie lieber etwas zu misstrauisch, als zu leichtgläubig. Seien Sie auch vorsichtig mit der An- und Weitergabe Ihrer persönlichen Daten. Halten Sie im Zweifel telefonisch Rücksprache mit dem vermeintlichen Absender. Fragen Sie sich stets, ob Einsatz und Gewinn bzw. Leistung in einem realistischen Verhältnis zueinander stehen.

Dieser Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, auch stellt er keine Rechtsberatung dar. Er soll lediglich Orientierung bieten.


Jochen Moschko

 
Jochen Moschko
SEO & QS-Manager
Jochen Moschko arbeitet in den Bereichen Suchmaschinenoptimierung und Qualitätssicherung bei der FAIRRANK GmbH.