Google & Co. im Auto der Zukunft

Computer im Auto
© kromkrathog

Wenn man sich einige der Neuheiten anschaut, die auf der diesjährigen Consumer Electronics Show (kurz „CES“) in Las Vegas präsentiert wurden, bekommt man das Gefühl, dass sich insbesondere im Automobilbereich bald ein grundlegender Wandel vollziehen wird. So plant laut Medienberichten Volkswagen beispielsweise, bestimmte zukünftige Fahrzeugmodelle mit drei großen Displays im Innenraum auszustatten. Eine weitere Funktion: Sobald der Fahrer in der Luft eine Wischgeste ausführt, soll sich das Schiebedach öffnen. Klassische Drehregler werden durch Touchelemente abgelöst.

Während Microsoft mit „Windows Embedded Automotive“, auf Windows CE basierend, schon seit längerem an seinem Einzug in die Automobilwelt arbeitet, legt Google mit „Android Auto“ jetzt nach. Dabei handelt es sich ebenfalls um eine spezielle Variante des mobilen Betriebssystems, das speziell auf die Bedürfnisse von Auto- und Mitfahrern ausgelegt ist. Über fest eingebaute Bildschirme kann man so beispielsweise das Radio oder Navigationssystem bedienen, Musik abspielen und sogar Apps installieren. Auf der Website des Betriebssystems prangen die Logos zahlreicher großer Autohersteller, die schon bald erste Fahrzeuge mit Technik, basierend auf Android, ausliefern wollen.

Internet im Auto ist nicht neu, in vielen Fahrzeugen ab der oberen Mittelklasse ist es seit längerem möglich, online aktuelle Stauinformationen oder E-Mails abzurufen oder nach einem Restaurant in seiner Nähe zu suchen. Dennoch gab es noch nie eine derart massenhafte Verbreitung dieser Funktionen, wie es in naher Zukunft der Fall sein wird – gesteigert wird das Ganze noch, wenn Standardanzeigen – wie der Tachometer oder Drehzahlmesser – ebenfalls auf Bildschirmen angezeigt werden und die Lüftung über den Touchscreen gesteuert wird. Auch ist fraglich, wie sich die Gestensteuerung verhält, wenn sich Fahrer und Beifahrer angeregt unterhalten und dabei mit ihren Händen gestikulieren.

Schon seit einiger Zeit ist das erhöhte Unfallrisiko im Gespräch, das solche Systeme durch Ablenkung des Fahrers verursachen sollen. Mit der zunehmenden Verbreitung des Internets im Auto dürfte die Tendenz weiter nach oben gehen. Besonders schlimm ist es, wenn es unbeteiligte Dritte trifft.
 

Viele offene Fragen und kaum Antworten

Seit langem wird Computertechnik in Autos verbaut. Ein prominentes Beispiel ist der in den Achtzigerjahren eingeführte CAN-Bus, eine gemeinsame Entwicklung von Bosch und Intel. Dieses System arbeitet im Hintergrund, vom Fahrer unbemerkt.

Doch macht es wirklich Sinn, letzterem ein komplettes Computersystem zur Verfügung zu stellen, auf dem er sogar Apps installieren kann? Sicherlich werden die meisten fest eingebauten Systeme so ausgelegt sein, dass sie während der Fahrt nur eingeschränkt bedienbar sind. Dennoch dürften die verbleibenden Funktionen stärker zum „Herumspielen“ verleiten, als es klassische Knöpfe und Schalter tun würden. Auch kann man bei Touchscreens eine Schaltfläche nicht erfühlen, wie es bei einem herkömmlichen Schalter der Fall ist, sondern muss hinschauen – auch das lenkt vom Fahren ab. Daneben stellt sich die Frage der Kompatiblität. Werden die Infotainmentsysteme heutiger Autos noch zu Smartphones kompatibel sein, die in zehn Jahren auf den Markt kommen? Viele dieser Fahrzeuge werden dann als Gebrauchtwagen ihr zweites Leben beginnen.

Abgesehen davon, dass sich im Hinblick auf die Bedienbarkeit noch vieles tun muss – Stichwort „Ablenkung“ – dürfte nicht jeder Autokäufer von einem Fahrzeug mit Bildschirmen begeistert sein – chromverzierte Drehknöpfe beeindrucken mehr, als von Fettfingern verschmierte Displays, auf denen Informationen gezeigt werden, die einen nicht interessieren.


Jochen Moschko

 
Jochen Moschko
SEO & QS-Manager
Jochen Moschko arbeitet in den Bereichen Suchmaschinenoptimierung und Qualitätssicherung bei der FAIRRANK GmbH.