Vor zwanzig Jahren: Netscape 1.0 erblickt das Licht der Welt

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Um ihn drehte sich der sogenannte „Browserkrieg“: Die Rede ist von Netscape, dem ersten kommerziell erfolgreichen Webbrowser, der Ende der 1990er-Jahre den Kampf gegen Microsofts Internet Explorer verlor.

Vor zwanzig Jahren, besser gesagt am 15. Dezember 1994, erschien der Netscape Navigator 1.0. Ihm vorausgegangen war eine Version 0.9, die unter anderem Namen zwei Monate früher erschienen war.

Auf welchem Computer war Netscape früher nicht installiert? Insbesondere der „Netscape Communicator 4.X“ hatte damals viele Anhänger. Er enthielt u. a. ein E-Mail-Programm, einen WYSIWYG-Editor zum Erstellen von Webseiten, einen Klienten zum Abhalten von Konferenzen und einen Kalender. Für Privatanwender stand er kostenfrei zur Verfügung. Doch so schnell wie der Erfolg kam, ging er auch wieder. Die Versionsreihen 3.X und 4.X waren die letzten wirklich erfolgreichen.
 

Die Konkurrenz erwachte und setzte sich durch

Mitte 1995 erschien erstmals der Microsoft Internet Explorer. Er wurde in kurzen Zeitabständen weiterentwickelt und stellte bereits kurze Zeit später eine ernstzunehmende Konkurrenz für Netscapes Browser dar. Aufgrund Microsofts aggressiver Vermarktung seines eigenen Browsers und u. a. dessen Integration in sein Windows-Betriebssystem, kam es zum sogenannten „Browserkrieg“, dem Netscape letztendlich unterlag.

Im Jahr 2000 wurde Netscape 6 veröffentlicht, eine geplante Version 5 wurde übersprungen. Die neue Version basierte erstmals auf Code des 1998 gegründeten Mozilla-Projekts und lief in den Monaten oft sehr instabil, was sich jedoch später änderte. Leider versank Netscape da schon in der Bedeutungslosigkeit. Der Communicator in der Version 4.X wurde parallel noch bis Mitte 2002 weiterentwickelt (letzter Stand ist Version 4.8).
Ein Jahr später wurde Netscape als eigenständiges Unternehmen geschlossen, nachdem es bereits 1998 von AOL aufgekauft worden war.
 

Wo steht Netscape heute?

Der Netscape Communicator 4.X ist unter aktuellen 64-bit-basierten Windows-Versionen nicht mehr lauffähig (offenbar enthält der Installer noch 16-bit-Code, Windows x64 verweigert bereits beim Starten des Setups dessen Ausführung) und unterstützt auch keine aktuellen Standards mehr und stellt ein potentielles Sicherheitsrisiko dar. Heute lebt Netscape im Mozilla-Projekt weiter, aus dessen Feder u. a. der Browser „Firefox“ stammt. Mozilla wurde gegründet, als 1998 der Quellcode von Netscape frei zugänglich gemacht wurde. Auch das bekannte Webverzeichnis DMOZ wird noch unter Netscapes Namen betrieben.

Wer ein All-in-One-Paket, wie den Netscape Communicator bevorzugt, sollte einen Blick auf die gleichnamige Software-Suite des Projekts SeaMonkey werfen, das weiterhin gepflegt wird. Auch hier ist Mozilla involviert und man kann das Paket als Quasi-Nachfolger des Netscape Communicators ansehen, zumal es auf Gecko, derselben HTML-Rendering-Engine aufbaut, wie es späte Netscape-Versionen taten.


Jochen Moschko

 
Jochen Moschko
SEO & QS-Manager
Jochen Moschko arbeitet in den Bereichen Suchmaschinenoptimierung und Qualitätssicherung bei der FAIRRANK GmbH.