Yahoo: Ein Blick auf Googles Rivalen

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Seit Marissa Mayer, die vorher bei Google tätig war, im Juli 2012 zum CEO von dessen Konkurrenten Yahoo! gekürt wurde, steht das 1994 gegründete US-Unternehmen wieder häufig im Licht der Öffentlichkeit. Im „Business Insider“  warf der Autor Nicholas Carlson jüngst einen Blick auf das Leben der Frau, über die bereits 2009 in der Modezeitschrift „Vogue“ ausführlich berichtet wurde. Demnach soll sie u. a. dafür bekannt sein, dass sie großen Wert auf Perfektionismus legt und ihren Mitarbeitern viel abverlangt. Nachdem der von ihr eingeschlagene Weg bereits seit einiger Zeit den Aktienkurs befeuert, zeichnen sich nun erste Erfolge ab. „Yahoo überholt Google“ war kürzlich flächendeckend in der deutschen Presse zu lesen, unter anderem bei SPIEGEL online. Doch was genau verbirgt sich hinter dieser Aussage?

Beim Wort „Google“, dessen Verbform „googeln“ es sogar in den Duden geschafft hat, denkt man in erster Linie an die Suchmaschine. Doch Google, wie auch Yahoo, bieten weitaus mehr Dienste als nur die klassische Suche an. Bei Google wären da beispielsweise der Kartendienst „Maps“, der Bilderdienst „Panoramio“, die webbasierte Office-Anwendung „Google Docs“ oder „Google Groups“ für die Nutzung von Newsgroups.  Yahoo hält mit ähnlichen Diensten, wie „Yahoo Maps“ für Karten, „Flickr“ für Fotos oder „Groups“ für Newsgroups dagegen.

Das US-amerikanische Marktforschungsunternehmen „Comscore“, das u. a. auch Niederlassungen in der Bundesrepublik unterhält, hat in einer Analyse festgestellt, dass Yahoo-Seiten im Juli 2013 mehr Besucher anlockten (insg. etwas mehr als 196 Mio.), als die Seiten des Konkurrenten Google (insg. rund 192 Mio.). Interessant hierbei ist, dass die jüngst von Yahoo übernommene Blogging-Plattform „Tumblr“ in diesen Zahlen noch nicht enthalten ist. Bei zukünftigen Auswertungen dürfte Yahoos Vorsprung innerhalb dieser Statistik daher weiter zunehmen. Die Analyse bezieht sich ausschließlich auf die jeweiligen US-Seiten beider Unternehmen.

Doch Vorsicht: Bei der Nutzung der klassischen Suche sieht die Sache anders aus. Hier lag Googles Marktanteil laut Comscore während desselben Zeitraums bei 66,7 %. Yahoo findet sich hingegen weit abgeschlagen auf dem dritten Platz, noch hinter Microsofts Suche bei  lediglich 11,4 % .

Dennoch stellt es einen großen Erfolg für Yahoo dar, mittlerweile mehr Besucher auf die eigenen Seiten zu ziehen, als es bei Google der Fall ist. Nun stellt sich die Frage, worin das Geheimnis von Yahoos Erfolg liegt. Ein großer Unterschied wird deutlich, wenn man die Startseiten beider Unternehmen aufruft. Während Googles Startseite bekanntlich betont schlicht gehalten ist und das Suchfeld in den Mittelpunkt stellt (Marissa Mayer leitete früher eigenhändig das für die Gestaltung zuständige Team), gleicht die Startseite von Yahoo einem Portal. Die klassische Suchfunktion findet sich hier am oberen Rand der Seite. Der Rest besteht aus einem bunten Mix aus Nachrichten, Werbeanzeigen und Links zu den einzelnen Angeboten von Yahoo. Letztere finden sich in der linken Spalte. Da wären z. B. Yahoo Mail, ein Sportportal (die deutsche Version wird in Zusammenarbeit mit Eurosport betrieben), ein Portal zur Partnersuche oder Online-Spiele, die größtenteils direkt im Webbrowser gespielt werden können.

Wie bereits erwähnt, bietet auch Google zahlreiche Zusatzdienste an, die sich auf der Startseite über den Punkt „Mehr“ auffinden lassen. Schnell wird klar, dass Google ebenfalls viele interessante Zusatzdienste anbietet. Allerdings sind diese nicht so bunt gefächert, wie es bei Yahoo der Fall ist.

So fehlen bei Google nicht nur Features, wie Online-Spiele oder eine Singlebörse, sondern auch der gesamte Portalanhang, den man bei Yahoo vorfindet. Dieser erstreckt sich über Themengebiete wie Weltnachrichten, Nachrichten aus den Bereichen Sport und Finanzen sowie Kategorien wie Kino, Reise, Lifestyle und Autos. Auch das Wetter hat einen eigenen Menüpunkt bei Yahoo. Zwar kann man über die Google-Suche ebenfalls aktuelle Wetterdaten abrufen (geben Sie in das Suchfeld z. B. ein: „Wetter Köln“), nur ist diese Funktion – wie viele andere bei Google auch – gut versteckt.

Vermutlich ist es gerade die Übersichtlichkeit der Startseite, welche die klassische Google-Suche seit mehr als einem Jahrzehnt so beliebt macht. Abgesehen von der Konzentration aufs Wesentliche sind Faktoren wie kurze Ladezeiten und ein schlichter Seitenaufbau gerade im Zeitalter der mobilen Internetnutzung nicht zu unterschätzen – auch wenn beide Konkurrenten ihre Suche auch in einer für Mobilgeräte optimierten Fassung anbieten. Um die Jahrtausendwende, als Googles Erfolg begann, konnte man genauso argumentieren, damals noch auf die starke Verbreitung relativ langsamer Modems bezogen. Die Kehrseite der Medaille ist in diesem Fall natürlich, dass sich den Nutzern das gesamte Angebot nicht unmittelbar erschließt und dessen Seiten daher mutmaßlich nicht so häufig gebookmarkt und aufgerufen werden.

Daneben zielt Yahoo wie gesagt mit einigen seiner Angebote auf Gruppen, bei denen Google noch nicht vertreten ist. Aber wer weiß – vielleicht kann man auch hier irgendwann auf Partnersuche gehen – mit kryptischen Befehlen direkt über das Suchfeld.

 

 

Jochen Moschko