Der Hype hält an: Kommt jetzt Pokémon-SEO und -SEA?

Der Hype hält an: Kommt jetzt Pokémon-SEO und -SEA?
© lassedesignen – Fotolia.com. (Symbolbild AR)

Das Augmented-Reality-Spiel „Pokémon Go“ ist weiterhin in aller Munde – und auch Werbetreibende beobachten die Situation sehr genau. Denn schon bald sollen sogenannte „Sponsored Locations“ gekauft werden können (wir berichteten). Wird es bald „Pokémon-SEO“ und „Pokémon-SEA“ geben?

In Pokémon Go muss der Spieler virtuelle Monster jagen – dazu existieren sogenannte „Pokéstops“. Begibt man sich in der realen Welt mit seinem Smartphone oder Tablet zu einem solchen „Pokéstop“, findet man dort auf seinem Bildschirm bspw. kostenlose Items zum Aufsammeln oder stößt sogar auf ein Pokémon zum Einfangen. Durch das gezielte Einsetzen sogenannter „Lockmodule“ werden an diesen „Pokéstops“ für einen bestimmten Zeitraum sogenannte „wilde Pokémon“ angelockt, die für alle sich in der Gegend befindenden Spieler sichtbar sind. Diese Möglichkeit machen sich bereits einige Lokalbetreiber zunutze, um nicht nur Pokémon, sondern vor allem auch Spieler in ihr Restaurant oder ihre Bar zu locken.

Das Spiel als Werbeplattform

Da „Pokémon Go“ sich einer großen Nutzergemeinde erfreut, ist es ein logischer Schritt, dass auch Werbetreibende dieses Spiel als Werbeplattform nutzen möchten, zumal dies herstellerseitig auch forciert wird. Laut dem Hersteller des Spiels soll es diesbezüglich bald möglich sein, als Unternehmen sogenannte „Sponsored Locations“ zu erwerben: Der Entwickler von Pokémon Go, „Niantic“, ein Google-Studio – vertrieben wird das Spiel von Nintendo – hat dazu auf seiner Website in einem Formular eine E-Mail-Adresse zur Verfügung gestellt, über die Partnerschaftsanfragen gestellt werden können.  Dies ist im Vorläuferspiel „Ingress“ bereits gang und gäbe: Schon vor drei Jahren machte Vodafone Schlagzeilen, als es „Portale“ auf der Karte dieses Spiels für begrenzte Zeit in eigenen Filialen platzieren ließ. Zum offiziellen Launch des Spiels in Japan, der sich wohl aufgrund mangelnder Serverkapazitäten weiterhin verschieben wird, ist dort bereits der erste Deal für solche „Sponsored Locations“ mit dem Fast-Food-Giganten „McDonald’s“ abgeschlossen worden: Rund 3000 japanische Filialen sollen zukünftig als „Pokéstops“ oder Arenen, in denen die Spieler mit ihren Pokémon gegen andere Spieler antreten können, im Spiel ausgezeichnet sein, wie McDonald’s laut US-Medien offiziell bestätigte. An der Börse in Tokio soll nach dieser Ankündigung bereits ein Rekordanstieg der Aktien von McDonald’s Japan von über 23 Prozent verzeichnet worden sein.

Wer jedoch kein Geld in die Hand nehmen will, soll nun ebenfalls durch ein auf der Seite des Entwicklers bereitgestelltes Formular die Neuerrichtung eines „Pokéstops“ beantragen können – derzeit nimmt „Niantic“ jedoch keine neuen Anfragen entgegen. Auch die Beantragung der Entfernung von „Pokéstops“ ist möglich, wenn es sich dabei beispielsweise um privates Gelände oder gefährliche Orte handelt. 

Der „Pokéstop“-Algorithmus

Doch nach welchem Auswahlprinzip wurden die ursprünglichen Pokéstops überhaupt erstellt? Da der Entwickler des Spiels gleichzeitig auch das oben erwähnte Augmented-Reality Spiel „Ingress“ entwickelt hat, liegt die Vermutung nahe, dass die Karten bzw. Datenbänke der beiden Spiele zusammenhängen. Tatsächlich wollen einige Fans herausgefunden haben, dass sich die Großzahl der aus „Ingress“ bekannten „Portale“ als „Pokéstops“ in Pokémon Go wiederfinden lassen. Solche „Portale“ konnten in dem Spiel – genau wie bei Pokémon Go – hauptsächlich an Sehenswürdigkeiten, Statuen, öffentlichen und/oder auffälligen Orten gefunden bzw. eine Zeit lang von den Spielern selbst vorgeschlagen werden – so wie es jetzt auch bei Pokémon der Fall sein soll.

„Pokémon SEO“ und „Pokémon SEA“

Ob und in welcher Form dieses Auswahlverfahren in Zukunft beeinflussbar sein wird und somit quasi „Pokémon-SEO“ betrieben werden kann, ist eine interessante Frage. Das hängt auch davon ab, ob gestellte Anträge manuell durch Menschen oder automatisiert durch einen Algorithmus geprüft werden. Da erstgenanntes angesichts der zunehmenden Popularität unrealistisch erscheint, könnten sich „Antragsteller“ und spezialisierte Agenturen dransetzen, um diesen Algorithmus zu entschlüsseln und beeinflussen. Im Extremfall kann das zu  Spamming und anderen unlauteren Blackhat-Methoden führen, damit Vorschläge für neue Pokéstops erfolgreich durchgewunken werden.

Im Hinblick auf die besagten „Sponsored Locations“, die ihrer Art nach beispielsweise Google AdWords ähneln, wird sich aller Voraussicht nach zumindest „Pokémon SEA“ schon bald zu einer interessanten Variante des Online-Marketing für Werbungtreibende und wahrscheinlich zu einem lukrativen Geschäftsmodell für SEO-/SEA-Agenturen entwickeln. Zumindest für Lokale und Geschäfte könnte die Auffindbarkeit auf der Spielkarte schon bald so wichtig werden, wie ein Eintrag in Google Maps. Doch jetzt, wo AR-Spielen endlich der Durchbruch gelungen ist, dürften weitere Entwickler folgen und somit zunächst viele unterschiedliche Systeme für Werbung. Nach einiger Zeit könnte sich aber ein einheitliches Standardwerbesystem herausbilden, so wie es im Anzeigenbereich mit Google AdMod im Bereich von mobilen Apps geschehen ist. Betreiber von Restaurants und Bars könnten dann für viele unterschiedliche AR-Spiele virtuelle Monster und andere Items in ihr Lokal locken und somit auch Kundschaft. Es ist offensichtlich, dass der Hype um Pokémon Go so schnell nicht vorbeigehen wird.

Werfen Sie auch einen Blick in unser Video zu diesem Thema:



Jochen Moschko und Julia Schmitz


 
Jochen Moschko
SEO & QS-Manager
Jochen Moschko arbeitet in den Bereichen Suchmaschinenoptimierung und Qualitätssicherung bei der FAIRRANK GmbH.
 
 
Julia Schmitz
Marketing
Julia Schmitz arbeitet im Bereich Marketing bei der FAIRRANK GmbH.