Der Hype um Pokémon Go – eine Chance für Online-Marketer?

Pokémon Go Plus
© Nintendo Press Room

Spieler laufen auf ihren Bildschirm starrend vor fahrende Autos und Betreiber von Museen und Gedenkstätten beklagen sich über die Jagd auf virtuelle Monster in ihren Räumen. In den letzten Tagen war über derartige Vorkommnisse rund um das neue Spiel „Pokémon Go“ viel zu lesen und nicht selten wurde Weltuntergangsstimmung verbreitet. Dabei sollte der Fokus auch auf die guten und interessanten Seiten dieses neuen Spiels gerichtet werden, denn es könnte der Wegbereiter für eine Vielzahl ähnlicher Anwendungen werden und die nächste große Stufe in der Evolution von Internetanwendungen zünden.
 

Worum es geht

Wer kennt sie nicht von früher, Pokémon-Karten, die auf dem Schulhof getauscht wurden. Auf ihnen sind kleine Monsterkreaturen und deren Eigenschaften abgedruckt. Um Pokémon herum gibt es eine große Fangemeinde. Aber auch für den GameBoy und andere Spielekonsolen sind Spiele erhältlich, die sich um die kleinen Monster drehen. Nun hat sich der in Schwierigkeiten geratene Nintendo-Konzern (der Nachfolger der sehr erfolgreichen Wii-Konsole, „Wii U“ verkauft sich nicht so gut wie erhofft und Spiele-Apps auf Smartphones und Tablets graben den eigenen Konsolen das Wasser ab) mit einem Paukenschlag zurückgemeldet – mit „Pokémon Go“, einem eigentlich sehr simplen, aber dennoch sehr aufregenden Spiel. Zu Beginn bestimmt man das Aussehen seiner Spielfigur bzw. seines Avatars. Dieser läuft dann über eine simplifizierte Landkarte, die auf Google Maps basiert. Mithilfe von GPS wird die eigene Position ermittelt und schon kann es losgehen. Wenn man sich umschaut, findet man sogenannte „Pokéstops“ in der näheren Umgebung. Begibt man sich in der realen Welt mit seinem Smartphone zu der besagten Stelle, kann man dort auf seinem Bildschirm kostenlose Items zum Aufsammeln oder vielleicht auch ein Pokémon zum Einfangen vorfinden. Nintendo plant außerdem den zeitnahen Verkauf eines Armbands (Pokémon Go Plus), welches dem Nutzer signalisieren soll, wenn sich ein Pokéstop in der Nähe befindet, ohne dass er/ sie dazu auf sein/ ihr Gerät schauen muss.

Die notwendigen Technologien sind längst entwickelt

Die hierfür benötigte Technologie existiert schon lange. Spätestens seit 2011, als HTML5 begann sich durchzusetzen, steht sie jedermann zur Verfügung. Mit Funktionen wie „Geolocation“ an Bord lassen sich Apps wie diese relativ problemlos umsetzen. Viel wurde über Augmented Reality (auf Deutsch: „erweiterte Realität“) geschrieben und gesprochen. Googles Datenbrille „Google Glass“ ist ein Paradebeispiel dafür: Schaut man sich ein Objekt an, nehmen wir beispielsweise den Kölner Dom, können dem Nutzer mithilfe einer entsprechenden App gleichzeitig weitere Informationen dazu angezeigt werden (z. B. seine Bauzeit, seine Abmessungen, Gottesdiensttermine usw.). Über die „reale Welt“ wird quasi eine zusätzliche Schicht aus Daten gelegt.

Nun handelt es sich bei Pokémon Go um ein fiktives Spiel, das jedoch an realen Orten ausgetragen wird. Stößt man auf ein Monster, so wird die Kamera an der Rückseite des Geräts aktiviert und das Pokémon im Bild platziert. So können Monster beispielsweise auf der Domplatte, im eigenen Garten oder auf dem heimischen Sofa sitzen.

Abgesehen von einigen wenigen Anwendungen hat sich Augmented Reality bislang noch nicht wirklich durchgesetzt. Die App „FlightRadar24“ bietet eine solche Funktion, bei der das eigene Smartphone in Richtung Himmel gehalten wird und dem Nutzer alle (zivilen) Flugzeuge im Sichtfeld der Kamera samt Flugnummer, Flugzeugtyp, Höhe und Geschwindigkeit gezeigt werden.

Sponsored Locations

Denken Sie diesen Gedanken jetzt einmal weiter: Stellen Sie sich vor, wie Sie in einer Stadt in Ihrer Nähe auf der Straße stehen und Ihr Smartphone in Richtung des Straßenverlaufs halten. Ihnen könnten Restaurants, Geschäfte und Unternehmen sowie weitere Infos zu diesen angezeigt werden – und zwar genau dort, wo sich das jeweilige Gebäude befindet.

Das bietet Pokémon Go nicht – doch tatsächlich:  Der große Hype um das Spiel scheint sich nicht nur auf Gaming-Begeisterte und Fans solcher Augmented Realities auszuwirken: Dem Entwickler des Spiels zufolge ist für die Zukunft geplant, dass Unternehmen sogenannte „Sponsored Locations“ in dem Spiel stellen können. Angelehnt an das Konzept von „Sponsored Ads“, die es bereits in vielen Spiele-Apps gibt, soll hier also die Möglichkeit geschaffen werden, gegen Bezahlung das eigene Unternehmen (beispielsweise ein Lokal) in der Spielwelt hervorzuheben. Ähnlich wie bei der Suchmaschinenwerbung mit Google AdWords, bei der Werbetreibende pro Klick auf die Werbeanzeige bezahlen, soll hierbei nach „Cost per visit“, also Kosten pro Besuch, abgerechnet werden.

Clevere Marketing-Aktionen

Dass die Einführung dieser „Sponsored Locations“ für viele Unternehmen interessant wäre, ist nicht zu leugnen: Bereits jetzt haben sich in den USA verschiedene Verkäufer den Trend um Pokémon Go zu Nutze gemacht und clevere Marketing-Aktionen gestartet, um Kundschaft anzulocken. Auch hierzulande setzt sich diese Strategie fort. Das Kölner Burgerrestaurant „The Bird“ beispielsweise informierte auf Facebook darüber, dass an dem Lokal, das im Spiel an einem der „Pokéstops“ gelegen ist, zu einem festgelegten Zeitpunkt mehrere Stunden lang sogenannte „Lockmodule“ eingesetzt werden sollen. Durch diese lassen sich beim Spielen verschiedene Monster anlocken – und scheinbar auch neue Kunden: Mit einer ähnlichen Aktion soll eine amerikanische Pizzeria Berichten zufolge eine Verkaufssteigerung von 30 Prozent erreicht haben – bei Ausgaben von nur rund 10 US-Dollar.


Jochen Moschko und Julia Schmitz


 
Jochen Moschko
SEO & QS-Manager
Jochen Moschko arbeitet in den Bereichen Suchmaschinenoptimierung und Qualitätssicherung bei der FAIRRANK GmbH.
 

 

 
Julia Schmitz
Marketing
Julia Schmitz arbeitet im Bereich Marketing bei der FAIRRANK GmbH.