Google auf dem Weg ins Büro und Wohnzimmer

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„Chrome OS“ ist auf dem Vormarsch: Laut einer Erhebung ist im B2B-Bereich mittlerweile jedes fünfte in den USA verkaufte Notebook mit dem Betriebssystem von Google ausgestattet. Wenn man sich das Betriebssystem, seine Stärken und das Preis-Leistungsverhältnis der verfügbaren Geräte anschaut, verwundert das kaum.

Vor genau fünf Jahren, im Juli 2009, kündigte Google sein eigenes Betriebssystem „Chrome OS“ an, das auf Linux basiert. Mittlerweile bieten zahlreiche Hersteller Geräte mit diesem System an, darunter Samsung, LG und ASUS. Im Hinblick auf die Hardware haben sich die Begriffe „Chromebook“ – für Laptops mit Chrome OS – und „Chromebox“ – für stationäre Computer mit Chrome OS durchgesetzt.

Chromebox im Praxistest

Wir haben uns eine Chromebox von Samsung auf x86-Basis angeschaut. Sie ähnelt äußerlich einem Mac Mini und beansprucht nicht viel Platz auf dem Schreibtisch. Nach dem Einschalten dauert es deutlich weniger als zehn Sekunden, bis man zur Anmeldung aufgefordert wird. Um das Gerät verwenden zu können, benötigt man ein kostenloses Google-Konto, dessen Zugangsdaten man eingeben muss.
Nach der Anmeldung erscheint der Desktop. Er sieht elegant und aufgeräumt aus, Desktop-Icons im klassischen Sinne finden sich keine, lassen sich auf Wunsch aber einblenden. Alles ist puristisch gehalten und auf das wesentliche beschränkt. Als Hintergrundbild wird uns ein schöner Strand im Sonnenuntergang angezeigt. Selbstverständlich kann das Bild ausgetauscht werden. Zur Auswahl stehen zahlreiche weitere Fotos, darunter viele Landschaftsaufnahmen oder Brücken im Sonnenuntergang – beim Stöbern darin kann man sich leicht in Gedanken verlieren.

Webbrowser als zentraler Bestandteil

Was aber kann man sinnvolles mit Chrome OS machen? Ein zentraler Bestandteil ist der Chrome-Webbrowser, daneben sind weitere verschiedene Google-Apps verfügbar, wie Maps, Docs, der Kalender oder ein Taschenrechner. Weitere Apps können über den Store hinzugefügt werden.
Schnell wird klar: Ohne Internetverbindung kann Chrome OS zwar genutzt werden, ähnelt aber einem zahnlosen Tiger. Zwar sind Apps verfügbar, die man auch offline benutzen kann, aber auslegt ist das Betriebssystem auf das Arbeiten im Internet. Daten, wie Dokumente oder Kalendereinträge werden online gespeichert und stehen beim Anmelden auf einem anderen Chrome OS-Gerät sofort zur Verfügung:

Chrome OS Guided Tour

A guided tour of Chrome OS. For more information, visit http://google.com/chromebook.

Interessant für Unternehmen

Chrome OS bringt quasi die wichtigsten Grundvoraussetzungen mit, die ein Büro-PC erfüllen muss: Internetzugang, eine Kalenderfunktion und ein Office-Paket. Zwar verfügt Microsoft Office über einen größeren Funktionsumfang als Google Docs und dürfte daher für viele Unternehmen die erste Wahl darstellen. Wem der Funktionsumfang von Docs jedoch genügt, ist mit Chrome OS gut bedient – solange keine Einwände dagegen bestehen, dass die Dokumente in Googles Cloud gespeichert werden.

Speziell für Unternehmen bietet Google seine Suite „Google Apps for Business“ für monatlich 4.- EUR pro Nutzer an. Damit liegt diese in derselben Preisklasse, wie Microsoft Office 365 Small Business (4,10 EUR pro Monat und Nutzer).
Ein weiterer großer Vorteil für Unternehmen besteht in der einfachen und praktischen Möglichkeit der Fernwartung: So kann der Administrator festlegen, welche Apps bei einem Nutzer vorinstalliert sind und welche er installieren darf.

…aber auch für zuhause

Doch nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Privatanwender dürften Chrome OS-Geräte interessant sein: An den heimischen Fernseher angeschlossen, lassen sich Fotos betrachten oder Filme anschauen, z. B. über YouTube oder den Online-Videodienst Netflix, der bald auch in Deutschland verfügbar sein soll. Die neue Chromebox von ASUS unterstützt dank DisplayPort sogar die Ausgabe in 4K-Auflösung, was der vierfachen Full-HD-Auflösung entspricht. Erhältlich ist sie in Deutschland ab einem Preis von nur 229.- EUR – einziger Wehrmutstropfen: wer 4K nutzen möchte, muss separat einen entsprechenden Bildschirm kaufen, der zurzeit noch um ein Vielfaches teurer ist.

Fazit

Mit einer Chromebox oder einem Chromebook verfügt man über einen leistungsstarken Computer, der einfach zu bedienen ist und dessen Funktionalität sich auf das Wesentliche beschränkt: Dem Zugriff auf das Internet, dem Bearbeiten von Dokumenten und der Nutzung von Multimedia-Inhalten.
Und wer auf Windows-Anwendungen nicht verzichten möchte, kann via Remote Desktop auf seinen Windows-PC zugreifen und ihn über Chrome OS bedienen – entweder im Büro oder vom heimischen Sofa aus.

Allerdings schläft die Konkurrenz nicht – Microsoft stellt sein Betriebssystem Windows 8.1 Herstellern von kleinen Tablets jetzt kostenlos zur Verfügung. Nutzer unterliegen hier keinem Zwang, die herstellereigene Cloud zu nutzen – bei Chrome OS sieht die Sache anders aus.

 

Jochen Moschko

 
Jochen Moschko
SEO & QS-Manager
Jochen Moschko arbeitet in den Bereichen Suchmaschinenoptimierung und Qualitätssicherung bei der FAIRRANK GmbH.