Qwant – Die „sichere“ Suchmaschine ist nun auch auf Deutsch verfügbar

Quelle: Qwant Pressroom

Der aus Frankreich stammende Dienst ist in seinem Heimatland bereits seit Januar 2013 verfügbar und erweitert sein Angebot nun auf den deutschsprachigen Raum, wo er diese Tage mit einem „Roadtrip“ startet. Ein Grund für uns, einen Blick auf das Angebot zu werfen.

Die Startseite ist bunt aufgemacht, aber gleichzeitig übersichtlich gehalten. Oben finden sich verschiedene Reiter, die von der „gewöhnlichen“ Suchfunktion über die Suche von Medien bis hin zu der von Personen reicht. Das Suchfeld befindet sich auf Augenhöhe und darunter befinden sich aktuelle Suchtrends.

Geben wir z. B. als Suchbegriff „Barack Obama“ ein und drücken die Eingabetaste. Jetzt folgt eine Überraschung. Die Suchergebnisse werden aufgeteilt in fünf Spalten dargestellt: Netz, Nachrichten, Sozial, Einkaufen und – abhängig von der Suchanfrage – Qnowledge Graph – Google´s „Knowledge Graph“ lässt grüßen, wenn auch in sehr abgespeckter Form.

Die Aufgliederung der Suchergebnisse in fünf Spalten sorgt definitiv für Übersichtlichkeit. Hier wird der Platz wesentlich besser ausgenutzt, als es bei anderen, großen Suchmaschinen der Fall ist.

Oben rechts findet sich eine Option namens „Verbinden“ – klickt man hierauf, erhält man die Möglichkeit, sich einzuloggen – wahlweise auf klassische Art mit seiner E-Mail-Adresse oder über Facebook oder Twitter. Nach einer Anmeldung sollen weitere Funktionen zur Verfügung stehen, wie das Anlegen eigener Bookmarks, die man sogar mit anderen Nutzern teilen kann. Auch soll man direkt über Qwant in sozialen Netzwerken, darunter Twitter, aktiv sein können.

Laut Impressum befindet sich der Host in Frankreich. Eine Abfrage über verschiedene Tracing-Tools zeigt jedoch einen Serverstandort in den USA an, wobei sich solche Tools selbstverständlich auch irren können.

Mehreren Medienberichten zufolge soll einer der Firmengründer auf einer Veranstaltung in Berlin gesagt haben, dass „absolut keine persönlichen Daten“ gesammelt würden. Sieht man sich jedoch die Möglichkeit des Logins und die damit verbundenen Möglichkeiten an, wirkt diese Wortwahl eher fragwürdig.

Grundsätzlich stellt sich die Frage, inwieweit alternative Suchmaschinen die Privatsphäre tatsächlich besser schützen, als es bei ihren Mitbewerbern der Fall ist. Jede Sucheingabe wird über das Internet übertragen und kann somit theoretisch von Dritten abgefangen werden. Zwar bedient sich QWANT des HTTPS-Protokolls, aber dasselbe tut Google mittlerweile auch. Letzterer speichert zwar Suchanfragen eines Nutzers ab, aber durch zurücksetzen des Browserverlaufs oder – im Extremfall – des Browsers selbst, sollten diese Daten nicht mehr vorhanden sein. Und da die meisten Internetnutzer sowieso über wechselnde IP-Adressen im Internet unterwegs sind, lassen sich die Suchanfragen in vielen Fällen nach einiger Zeit keiner konkreten Person mehr zuordnen.

Im Hinblick auf die besondere Aufteilung der Suchergebnisse ist QWANT eindeutig innovativ. Auch mögen im Hintergrund des Angebots weitaus weniger Daten gesammelt werden, als es bei den großen Anbietern der Fall ist. Trotzdem wird im Hinblick auf den Datenschutz auch hier nur mit Wasser gekocht.

Einen Vorteil hat die Suche mit Qwant jedoch: Im Gegensatz zu Google enthält diese Suchmaschine nicht so viele zusätzliche Dienste, wie es bei Google der Fall ist. Ist man bei einem Google-Dienst erst einmal eingeloggt, vergisst man diesen Umstand durchaus schnell wieder und nutzt anschließend – im eingeloggten Zustand – die Google-Suche, wobei der Suchverlauf gespeichert wird.

Jeder, der im Internet unterwegs ist, muss sich über eines bewusst sein: hundertprozentig sicher werden seine Daten nie sein. Jeder Internetanschluss verfügt über eine eindeutige IP-Adresse – und über diese kann der Anschluss identifiziert werden. Die meisten Daten legen ihren Weg über zahlreiche Zwischenrechner zurück und können hier abgefangen werden. Das war auch schon lange vor der Spähaffäre der Fall und ist eines der Grundprinzipien des Internets. Die größte Gefahr geht sowieso weiterhin von Hackern, Kriminellen, aber auch vom Nutzer selbst aus. Surfen im Internet ist wie das Sprechen mit Fremden abends im Park – welche Geheimnisse würden Sie denen anvertrauen?

 

Jochen Moschko

 
Jochen Moschko
SEO & QS-Manager
Jochen Moschko arbeitet in den Bereichen Suchmaschinenoptimierung und Qualitätssicherung bei der FAIRRANK GmbH.