Amazon als Suchmaschine: Trend oder Konkurrent? (Teil 2)

Amazon als Suchmaschine: Trend oder Konkurrent? (Teil 2)
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Amazon stellt mittlerweile eine ernsthafte Konkurrenz für Google dar. So beginnen bereits 38% aller Internetnutzer ihre Produktsuche direkt bei Amazon. Besonders die Google-eigenen Produkte wie Google Shopping oder AdWords werden durch Amazon angegriffen – Sicherlich wird Amazon Google niemals überflüssig machen können, es sieht eher so aus, als würden beide Suchmaschinen in Zukunft verschiedene Bedürfnisse erfüllen.

Google wird weiterhin als Quell des Wissens die stärkste Suchmaschine bilden. Amazon wird seine Marktmacht weiter ausbauen und die erste Anlaufstelle für transactional Keywords werden bzw. bleiben. Das bedeutet für alle Shopbetreiber: Amazon bildet die Produktsuchmaschine, Google die Enzyklopädie.

Amazon als Suchmaschine: SEO wie bei Google?

Fragen, die zwangsläufig aus der Suchmaschinenoptimierung von Google hervorgehen, sind die Möglichkeiten für bessere Rankings und damit verbundene Mehrverkäufe. Tatsächlich lassen sich beim sogenannten „Amazon SEO“ auch einige altbewährte SEO-Techniken anwenden. Elemente, wie Keywords, Title und Beschreibungstext, ähneln denen einer gewöhnlichen Website. Wer „Amazon SEO“ betreibt, dem sollte jedoch bewusst sein, dass Amazon eine reine Produktsuchmaschine ist (zumindest vorerst!) und somit nicht nach der allseits beliebten Relevanz Ausschau hält, sondern auf Verkaufswahrscheinlichkeiten. Und hierbei können Händler einiges falsch machen.

Produkte, die salopp gesagt „nur mal eben so“ eingestellt wurden, bergen häufig einige Flüchtigkeitsfehler. Die Kategorie-Auswahl für Produkte ist nicht richtig getroffen, die Bilderauswahl eher schlecht oder es werden nur 2 von 5 möglichen Bulletpoints (Auflistung wichtiger Features) verwendet. Also verschenktes Potenzial für unsere Verkaufswahrscheinlichkeit. Hier setzt „Amazon SEO“ an. Stimmen die Basics, lassen sich bereits gute Prognosen für die Zukunft voraussagen.

Verkaufen kann jeder

Ein weiterer Kernpunkt, welcher häufig ins Spiel kommt ist die Reputation. Als Händler bei Amazon ist man ziemlich anonym. Jeder könnte also von seinem Wohnzimmer aus Produkte verkaufen, ohne einen eigenen Onlineshop oder ein Ladengeschäft betreiben zu müssen. Dies ist aber ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite profitieren Händler von Amazons Image, dem schnellen Amazon-Versand, einfachen Rücknahme-Garantien und niedrigen Preisen. Auf der anderen Seite lässt sich so nur schwer eine Kundenbindung zur eigenen Marke herstellen. Klug gehandelt hat jeder, der seine Produkte unter dem Namen seines Brands oder der URL seines Onlineshops verkauft. So lassen sich zumindest einige Berührungspunkte schaffen.

Wer auf Amazon als einzigen Vertriebskanal setzt, lebt allerdings nicht ungefährlich. Amazon ist momentan die stärkste Verkaufsplattform mit weiterhin viel Potenzial. Dennoch ist in den Medien immer wieder die Rede von schlechten Arbeitsbedingungen. Auch wenn Amazon bereits mit aufgebesserten Gehältern dagegen angeht, gibt es kaum ein Unternehmen ohne einen sprichwörtlichen Haken. Gutes Beispiel ist der Abgasskandal von VW. Sinkt die Reputation von Amazon, sinken auch die Absatzzahlen der Händler. Es tut also jeder gut daran, zumindest mittelfristig auch über weitere Kanäle zu verkaufen. Sei es über einen eigenen Onlineshop oder über andere Online-Marktplätze, wie beispielsweise eBay.


Ingo Urbach

 
Ingo Urbach
Suchmaschinenoptimierer