Wie unseriöse Anbieter SEO-Kunden verunsichern

Wie unseriöse Anbieter SEO-Kunden verunsichern
© Andrey Popov – Fotolia.com

Es ist morgens. Der Wecker klingelt. Man steht auf, geht ins Bad, schaltet beim Smartphone den Flugzeugmodus ab – und… die neuesten E-Mails kommen rein: „Suchmaschinenoptimierung – Ihre Seite wird nicht bei Google gefunden! Bezahlen Sie einmalig 150,00 EUR und wir optimieren sie!“

Solche und ähnliche Mails dürften einigen Lesern bekannt sein. Während ich sie direkt lösche, können Sie bei manchen Empfängern durchaus für Verwirrung sorgen. Häufig wird auch Betreibern gut rankender Webseiten suggeriert, dass ihre Platzierungen in Suchmaschinen sehr schlecht seien. Oder dass gar eine Abstrafung durch Google drohe.

Gründe für ein mögliches schlechtes Ranking in Suchmaschinen

Zuerst muss man sich die Frage stellen, wer der Anbieter überhaupt ist. Stellt er auf seinen Seiten ein Impressum bereit? Im bundesdeutschen Raum ist das Pflicht, sobald man gewerblich aktiv ist. Fehlt das Impressum, sollten die Alarmglocken klingeln.

Nächster Punkt: Die Platzierungen sollen schlecht sein. Nach welchen Begriffen hat der Anbieter denn gesucht? Wenn Sie beispielsweise ein Autohaus führen, würde ich glatt eine Wette mit Ihnen abschließen, dass Sie unter dem Begriff „Auto“ schlecht gefunden werden. Das ist kein Wunder bei Ihrer riesigen Konkurrenz. Versetzen wir uns doch einmal in die Lage eines Suchenden. Würde er einfach nach „Auto“ suchen, wenn er die Anschaffung eines Fahrzeugs sucht? Nein, er würde sich erst über alle möglichen Marken informieren und dann gezielt nach einem Händler in seiner Umgebung suchen, beispielsweise nach „Audi-Händler Köln“. Während man bei alleinstehenden Begriffen (also z. B. „Auto“) von „Short-Head-Keywords“ spricht, handelt es sich hier um ein „Long-Tail-Keyword“. Letztere führen erwiesenermaßen wesentlich häufiger zu Konversionen, als ihre kurzen „Geschwister“. Hat der Anbieter das berücksichtigt?

SEO-Vergehen – ab wann eine Abstrafung droht

Gerne argumentieren Anbieter damit, dass aufgrund eines vorliegenden Umstandes eine Abstrafung durch Google drohe. Im gleichen Atemzug versichert der Anbieter, dass er diesen Umstand beseitigen werde.

Erst kürzlich wurde einem unserer Kunden weißgemacht, dass eine veraltete Firmenanschrift in einem Firmenverzeichnis zu einer Abstrafung durch Google führen könne. Wenn dem tatsächlich so wäre, würde wahrscheinlich die Hälfte aller Webseiten nicht mehr auffindbar sein. Einer Abstrafung liegt in fast allen Fällen ein massiver Verstoß gegen die Google-Richtlinien vor.

Nachfolgend mögliche Beispiele:

  • Man baut weißen Text auf weißem Hintergrund ein. Dieser wäre für Besucher unsichtbar, nicht aber für Suchmaschinen.
  • Man kauft im großen Stil Backlinks von unseriösen Seiten ein (z. B. aus den Bereichen Erotik oder illegales Glücksspiel)
  • Die eigene Website verbreitet Malware, also Viren und anderen schädlichen Code
  • Der Server spielt für die Suchmaschinen-Bots spezielle angepasste Seiten aus. Die Besucher der Webseite sehen allerdings die regulären Inhalte. Hierbei spricht man von dem so genannten „Cloaking“.

Selbst in diesen Fällen, man spricht bei Suchmaschinenoptimierung von Black-Hat-SEO, hat man als Webseitenbetreiber gute Chancen, in kurzer Zeit eine Aufhebung der Abstrafung zu erreichen – indem man den beanstandeten Missstand behebt und den zuständigen Google-Sachbearbeiter anschließend über das entsprechende Formular informiert. In der Regel wird man über die Google Search Console informiert, wenn eine Abstrafung („Penalty“) gegen die eigene Website verhängt wurde.
Die genannten Beispiele zeigen exemplarisch auf, in welches Fahrwasser man sich quasi erst begeben muss, damit die Gefahr einer Abstrafung überhaupt gegeben ist. Und selbst im Fall der Fälle kann man handeln und ist nicht ohnmächtig der gefühlten „Übermacht“ ausgeliefert.

Woran erkenne ich einen seriösen, guten SEO-Anbieter?

Der Markt für Online-Marketing ist sehr groß und für Nicht-Kenner kaum durchschaubar. Dennoch existieren verschiedene Merkmale, anhand derer Sie einen seriösen Anbieter von einem fragwürdigen unterscheiden können:

  • Verfügt der Anbieter über Zertifikate? Wer ist die zertifikatvergebende Stelle? Informieren Sie sich!
  • Wo hat das Unternehmen seinen Sitz und wie ist seine Rechtsform?
  • Was sagen Kunden über diesen Anbieter? Welche Referenzen kann er vorweisen?
  • Welches Engagement zeigt der Anbieter außerhalb der virtuellen Welt? Kann man ihn z. B. auf Messen besuchen?
  • Wenn der Anbieter in Ihrer Nähe sitzt, melden Sie sich zu einem Besuch an und verschaffen Sie sich ein Bild über das Unternehmen.

Wie überall im Leben, ist auch hier ein gesundes Misstrauen angebracht. Einerseits gegenüber den Aussagen der Anbieter, der Satz „Sie werden in Suchmaschinen nicht gefunden“ stimmt häufig nicht und lässt sich leicht widerlegen. Und auf der anderen Seite gegenüber den Versprechungen der Anbieter. Eine seriöse Agentur würde beispielsweise niemals gute Platzierungen garantieren, weil es dafür keine Garantie geben kann. Auch können gute Platzierungen mit keinem „Wundermittel“ herbeigeführt werden – SEO ist ein langfristiger Prozess, der in Abstimmung mit dem Kunden unter Wahrung von Suchmaschinenrichtlinien durchgeführt wird. Schritt für Schritt wird der Erfolg in regelmäßigen Abständen überprüft und dann die Vorgehensweise zielgerichtet und mit Augenmaß angepasst. Slogans wie „Bezahlen Sie einmalig x EUR und Sie finden sich selbst auf Platz 1 wieder!“ dürfte bei den meisten Kunden zu enttäuschen Resultaten führen. Für diese Vorhersage bedarf es keiner Kristallkugel.


Jochen Moschko

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Jochen Moschko
SEO & QS-Manager
Jochen Moschko arbeitet in den Bereichen Suchmaschinenoptimierung und Qualitätssicherung bei der FAIRRANK GmbH.