Wird der Google-Algorithmus bald öffentlich einsehbar?

Google-Algorithmus bald öffentlich einsehbar?
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Wenn es nach Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) geht, ja. Diese Forderung stellte er kürzlich in einem Interview mit der Financial Times. Ferner fasste er, auch wenn das sehr unwahrscheinlich ist, eine Zerschlagung des Konzerns ins Auge.

Welche Folgen hätte es, wenn der Google-Algorithmus bekannt wäre?

Für die meisten Websitebetreiber, die bei Google weit oben aufgefunden werden möchten, brächte eine Offenlegung des Such-Algorithmus langfristig kaum Vorteile. Wäre der Algorithmus einmal bekannt, so könnte jeder mehr oder weniger versierte Anbieter seine Seiten entsprechend anpassen, um zu versuchen, sein eigenes Angebot möglichst weit oben in den Trefferlisten zu platzieren. Wenn man diesen Gedanken auf die Spitze treibt, dürften dann viele Websites ähnlich aufgebaut sein und sich nur noch in Nuancen unterscheiden – dem Zweck folgend, bestmögliche Platzierungen zu erreichen.

Auch ist es vermutlich falsch, von „dem Google-Algorithmus“ zu sprechen. Es ist anzunehmen, dass bei der Auswertung von Suchanfragen viele verschiedene, kleinere Algorithmen zum Zuge kommen, die wie Zahnräder ineinandergreifen. Google könnte zwar die grobe Funktionsweise dieses Zusammenspiels offenlegen, doch wäre auch hiermit niemandem geholfen.

Nutzlose Suchergebnisse wären die Folge

Wenn mit diesem Wissen anschließend jeder Anbieter versuchte, Suchergebnisse zu seinen Gunsten zu manipulieren, würde Google seinen Nutzen als – zumindest in der organischen Suche – weitgehend neutrale Suchmaschine verlieren. Jemand, der relevante Informationen zu einem Thema suchte, würde stattdessen die Seiten derjenigen vorfinden, die ihre Angebote am besten an den Algorithmus angepasst hätten. Möglicherweise wären hier finanzkräftige Anbieter im Vorteil.

Ein wichtiger Bestandteil der Google-Suche ist ja gerade, dass letztendlich immer noch Google entscheidet, welche Angebote die meiste Relevanz für seine Nutzer aufweisen. Natürlich lassen sich Suchergebnisse innerhalb bestimmter Grenzen beeinflussen, doch würde eine Offenlegung des Algorithmus fast sicher dazu führen, dass Google als Suchmaschine seinen Zweck verlieren würde. Spammern wäre damit Tür und Tor geöffnet.

Ob das wirklich im Sinne des Bundesjustizministers wäre?

 

Jochen Moschko

 
Jochen Moschko
SEO & QS-Manager
Jochen Moschko arbeitet in den Bereichen Suchmaschinenoptimierung und Qualitätssicherung bei der FAIRRANK GmbH.