Das Phänomen „Mem“

Jeder kennt sie: die skurrilen Sprüche, lustigen Bilder und Videos, die sich wie ein Lauffeuer im Internet verbreiten, ohne dass es eine nachweisbare, logische Erklärung dafür gäbe. Dieses Phänomen hat einen Namen: Mem. Das Konzept des Mems hat der Evolutionsbiologe Richard Dawkins bereits um 1975 entwickelt, lange also, bevor das Internet einen so wichtigen Platz in der menschlichen Kommunikation einnahm, wie das heute der Fall ist.

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Nach Dawkins’ Theorie ist ein Mem eine Information, die verschiedene Formen annehmen kann: Eine Idee, ein Gedanke, ein Glaube oder ein Trend, den Menschen untereinander austauschen, und der sich so laufend weiterentwickelt und verbreitet – das gedankliche Gegenstück zum Gen sozusagen. Im Netz geschieht dieser Austausch v.a. mithilfe von Texten und Bildern, die auf geeigneten Plattformen weitergegeben werden.

Meme vervielfältigen und vermehren sich schnell, dabei entwickeln sich weiter, passen sich dem Zeitgeist an. Erfolgreich ist, was den Nerv der User trifft – eine Art natürliche Auslese für Themen und Neuigkeiten sozusagen.

Was braucht es, um ein Mem in die Welt zu setzen?

1.    Eine originelle Idee: Etwas, das die Menschen witzig oder einfach interessant finden, so dass es sich lohnt, die Idee aufzunehmen und weiter zu verbreiten.
2.    Eine geeignete Plattform: Mithilfe des Microblogging-Dienstes Twitter beispielsweise lassen sich Nachrichten mit hoher Geschwindigkeit verbreiten. Dem Mem wird hier ein #-Zeichen vorangestellt, ein sogenannter Hashtag. Dieser dient der Verschlagwortung und erleichtert das Auffinden der damit gekennzeichneten Begriffe.
3.    Ein Netz von Nutzern: Ohne User hilft die beste technische Plattform nicht. Dabei ist nicht unbedingt die Anzahl der Nutzer entscheidend, die das Mem im ersten Schritt erreicht, sondern der Grad ihrer Vernetzung. Je vielfältiger und breiter vernetzt das Publikum, desto weiter die Kreise, die die Botschaft ziehen wird.

Beispiele für populäre Internet Meme

Meistens sind Meme vor allem eins: lustig. Im besten Fall sind sie darüber hinaus vielleicht auch noch ein bisschen gesellschaftskritisch. Wer wissen möchte, worüber gerade gesprochen wird sollte sich den Dienst http://whatthetrend.com/ einmal anschauen; dort kann man sehen, welches Thema gerade besonders in Trend liegt.

#blumenkuebel: Im Sommer 2010 berichtete Münstersche Zeitung in einem Artikel über den zerstörten Blumenkübel vor einem Altenheim. Ein Leser twitterte diese Nachricht unter dem Hashtag #blumenkuebel und löste damit innerhalb kürzester Zeit eine Welle mehr oder weniger kreativer Reaktionen, vom zynischen Kommentar bis zum inszenierten Bekennervideo, aus.

LOLcats: Das Prinzip funktioniert natürlich ebenso mit lustigen Fotos und Videos. Gute Karten hat, wer dabei auf Katzen setzt. Katzenbilder, die mit passenden, orthographisch und grammatikalisch fehlerhaften Aussagen (sog. „Lolspeak“) versehen werden, kursieren seit Jahren erfolgreich unter dem Begriff LOLcats im Netz. Eine Bilder-Suche auf Google nach „lolcats“ liefert weit über 12 Mio. Ergebnisse.

Planking: Steif wie ein Brett, das Gesicht nach unten, die Arme an die Seiten gepresst, liegen Planker an ungewöhnlichen Orten – das kann mitten in einer Einkaufspassage ebenso sein wie auf einem Baum oder einem Balkongeländer.
 
Alternativbeispiele für Meme auf Twitter
#diewelt: Die Springer-Zeitungen "Die Welt" und "Berliner Morgenpost" werden von einer gemeinsamen Redaktion betreut. Wird ein Artikel von einem Blatt ins andere übernommen, wird im Text der Begriff "Die Welt" durch die "Morgenpost" ersetzt. Und so kam es, dass man auf der Seite der Morgenpost Online im vergangenen März in einem Artikel über zwei Schiffsbrüchige lesen konnte, der den Satz „[...] und redeten über Gott und Morgenpost Online“ enthielt. Ein Fehler, der auf Twitter zu einem Sturm von Reaktionen führte. Eine kleine Auswahl:
- Neu im Kino: 007 - «Morgenpost online» ist nicht genug (@dennishorn)
- Die fabelhafte «Morgenpost online» der Amelie (@moritzadler)
- Twitter wird bald Morgenpostkulturerbe. (@PickiHH)

Welche Meme waren in letzter Zeit noch aktuell? Welche Meme haben Euch zum Lachen gebracht oder zum Mitmachen bewogen? Wir freuen uns auf Eure Kommentare!